Ewige Liebe: 60 Jahre getrennt – und immer noch ein Paar

Wenn es der Richtige ist, dann lohnt es sich, auch mehrere Jahrzehnte auf ihn zu warten. Auch, wenn das Leben weitergeht, die Liebe bleibt. Ein Märchen? Nein! Anna und Boris Kozlov bewiesen uns, dass es das wirklich gibt!

Liebe in den Wirren des Krieges



Die große Liebe zwischen Anna und Boris begann inmitten der beginnenden Kriegswirren des zweiten Weltkrieges. Annas Vater war gerade von Stalins Schergen verschleppt worden, weil er sich geweigert hatte, in einer Kolchose zu arbeiten und so stand die ganze Familie von Anna unter besonders negativer Beobachtung von Stalins Truppen.

Boris war zur selben Zeit Sekretär der jungen Kommunisten und kam in Annas Dorf Borovlyanka, um dort eine Rede zu halten. Nach der Rede stand er mit anderen jungen Leuten noch eine Weile herum und hatte dabei nur Augen für Anna.

Er wusste, dass ihr Vater verschleppt worden war und ihre ganze Familie dadurch einen schlechten Ruf hatte, aber für ihn war sie die schönste Frau seines Lebens. Liebe auf den ersten Blick!

Eine Romanze entwickelte sich und mehr als ein Mal musste Boris seine Anna gegen die Gerüchte wegen ihres Vaters verteidigen.



Hochzeit von Boris und Anna



Der Krieg brach aus und Boris musste an die Front. Wann immer er von der Front auf Heimaturlaub kam, wartete Anna schon auf ihn. 1946 endlich heirateten sie und zogen zusammen in ein Haus in Annas Heimatdorf.

Nur drei Tage später musste Boris wieder zu seiner Einheit zurück. Die beiden verabschiedeten sich wie immer mit einem Kuss.

Keiner dachte, dass das der letzte Kuss für mehr als ein halbes Jahrhundert sein sollte, den die beiden austauschten.

Während Boris‘ Abwesenheit wurde Anna mit ihrer Familie nach Sibirien verschleppt und es war nicht möglich, eine Adresse zu hinterlassen. Als Boris zurückkam, war Anna weg und keiner konnte ihm sagen, wohin sie mit ihrer Familie verschleppt worden war.



Annas Zeit in Sibirien



Annas Mutter versuchte in der neuen Heimat Sibirien sich und Anna ein neues Leben aufzubauen und belog Anna, wenn sie ihr sagte, dass Boris längst eine andere Frau habe und deshalb nicht nach ihr suche.

Anna war verzweifelt und wusste keinen Weg, um Boris zu finden. Eines Tages kam Anna in ihr neues Zuhause zurück und entdeckte, dass ihre Mutter alle Hochzeitsfotos, Liebesbriefe und Liebesgedichte von Boris verbrannt hatte.

Doch die Erinnerung in ihrem Herzen konnte man Anna nicht nehmen. Annas Mutter stellte ihr einen jungen Mann vor, den sie als neuen Ehemann für sie ausgesucht hatte.

Voller Wut, Schmerz und Trauer um Boris rannte sie in den Garten und versuchte, sich mit einer Wäscheleine zu erhängen. Ihr Versuch scheiterte und letztendlich gab sie nach und heiratete den Mann, den ihre Mutter für sie ausgesucht hatte.



Boris Zeit als Schriftsteller



Boris fand auch eine neue Frau und wurde Schriftsteller. Weil er Anna aber immer noch im Herzen trug, widmete er ihr eines seiner Bücher. Er konnte sie nicht vergessen. Im Laufe ihres Lebens dachten Anna und Boris immer wieder aneinander und als ihre Ehepartner beide starben, machten sie sich beide auf den Weg in das Dorf, in dem sie geheiratet und für nur drei Tage zusammen gelebt hatten. Boris wollte das Grab seiner Eltern besuchen, Anna das Dorf ihrer Jugend und das Haus ihrer großen Liebe wieder sehen.



Wiedervereinigung nach 60 Jahren



Anna stand vor dem Haus, in dem sie so kurz mit Boris als Ehepaar gelebt hatte, als sich ein Auto näherte und ein Mann ausstieg.

Zunächst dachte sie, ihre Augen spielten ihr einen Streich, aber dann war sie sich sicher: es war Boris! Zufällig hatten sie sich denselben Tag ausgesucht, um das Dorf zu besuchen!

Boris lief auf Anna zu, umarmte und küsste sie mit den Worten: „Meine Liebe, mein Leben, Liebling! Ich habe so lange auf dich gewartet!“

Plötzlich, so sagen beide, war alles wie früher. Sie blieben die ganze Nacht auf und erzählten sich, was sich in den vergangenen 60 Jahren ihres Lebens zugetragen hatte. Dann hielt Boris erneut um die Hand seiner Anna an.

Und wieder sagte Anna „ja“. Seit ihrer zweiten Hochzeit, sagen sie, haben sie kein einziges Mal miteinander gestritten, denn „die wenige Zeit, die wir jetzt noch miteinander haben, möchten wir nicht mit Streiten verlieren!“