Geschwister – Beziehung mit viel Herz

Solange sie noch klein sind, streiten Geschwister zwar oft, um die Aufmersamkeit ihrer Eltern auf sich zu lenken, doch wenn sie erwachsen sind, vergessen sie Meinungsverschiedenheiten und unterstützen und pflegen sich gegenseitig.

Die Beziehung zwischen Geschwistern ist manchmal kompliziert. Meinungsverschiedenheiten, Eifersucht und Streitereien sind in der Kindheit bei vielen an der Tagesordnung, doch im Erwachsenenalter, verstärkt sich normalerweise die Beziehung, die aus demselben Herz entsteht.

Einer Studie des Institute of Personality and Social Research (IPSR) der Universität von Kalifornien in Berkeley zufolge spielt die Reihenfolge, in der Geschwister zur Welt kommen immer eine bedeutende Rolle.

In der Kindheit entwickelt jeder verschiedene Strategien, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu erlangen, doch im Erwachsenenalter gehören Differenzen meist der Vergangenheit an und Geschwister unterstützen und helfen sich gegenseitig.

Es handelt sich um eine ganz besondere Beziehung, die wir uns nicht aussuchen können. Die Blutsverwandschaft verbindet, die gemeinsamen Erlebnisse im Alltag bauen ebenfalls eine Einheit auf, die weder an eine Zeit, noch an Alter oder Geschlecht gebunden ist.

Geschwister haben großen Einfluss auf die Entwicklung gewisser Charakterzüge, sie sind oft in schwierigen Zeiten die größte Unterstützung. Wir laden dich heute ein, mit uns darüber nachzudenken.

Geschwister und die Wichtigkeit der Position



Zahlreiche psychologische Studien widmen sich der Erforschung der Wichtigkeit, die die Reihenfolge der Geburten einnimmt.

Ältere Geschwister

Der Evolutionspsychologe Frank J. Sulloway, Forscher an der Universität von Kalifornien in Berkeley, erklärt in seinem Buch „Der Rebell der Familie“, dass die Erstgeborenen ganz besondere Eigenschaften entwickeln, mit denen sich sehr viele identifizieren:

• Sie sind meist verantwortungsbewusster und passen sich besser an interne Veränderungen innerhalb der Familie an.
• Die älteren Geschwister sind meist rebellischer gegenüber ihren Eltern, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.
• Sie erfahren die elterlichen Werte meist besonders stark, während die restlichen Geschwister meist etwas weniger streng erzogen werden.
• Dies führt manchmal dazu, dass die Erstgeborenen diese Werte entweder akzeptieren oder sich jedoch dagegen auflehnen.



Das mittlere Geschwister

Ironisch heißt es oft, dass das Mittlere der Geschwister sich auf „Niemandsland“ befindet. Es sucht seine Position innerhalb der Familie und versucht deshalb häufig, die Aufmerksamkeit der Eltern zu erzwingen. Hierarchien akzeptieren die mittleren Geschwister meist ungern, auch bei vermeintlichen Ungerechtigkeiten ist die Reaktion oft widerspenstig.

• Sie versuchen, sich irgendwie hervorzutun, besser als ihre älteren Geschwister zu sein oder einfallsreicher als ihre kleineren Brüder oder Schwestern.
• Aus Studien geht hervor, dass sie normalerweise versuchen, persönliche und affektive Beziehungen da zu finden, wo sie Aufmerksamkeit erhalten und wo sie sich gleichgestellt fühlen, ohne dominiert oder von Verhaltensweisen, die Überlegenheit zeigen, beherrscht zu werden.

Auch im Volksmund heißt es, dass nach einem verantwortungsbewussten Erstgeborenen ein rebellisches Geschwisterkind folgt. Nicht zu vergessen ist natürlich, dass dies nicht bei allen zutrifft und jeder einzigartig ist.

Es gibt zweifellos zahlreiche Unterschiede bei jeder einzelnen Familie.

Das kleine Geschwisterkind

Dem Buch „Ich mag dich – du nervst mich! Geschwister und ihre Bedeutung für das Leben“ von Jürg Frick ist zu entnehmen, dass das kleinste Geschwister zwei unterschiedliche Extreme entwickeln kann:

Es kann sich in ein unabhängiges Kind entwickeln, das einen starken Charakter zeigt und so schnell wie möglich eigenständig sein möchte, oder es kann in großer Abhängigkeit von seinen Eltern und Geschwistern aufwachsen.

Oft bleibt der Jüngste im Bunde das Leben lang für die ganze Familie eben der „Kleine der Familie“.

Geschwister: eine zwiespältige, jedoch sehr starke Beziehung



Unabhängig von der Geburtsreihenfolge sucht jedes Familienmitglied in der Kindheit und Jugend seinen Platz, wobei es zu kleinen Eifersüchten, Streitereien oder auch zu großer Komplizenschaft kommen kann. Diese Beziehungen wirken sich auf das ganze spätere Leben aus.

• Brüder und Schwestern helfen uns, soziale Fähigkeiten zu lernen. Wenn mehrere Kinder das Haus bevölkern, müssen alle lernen, zu teilen und intensive Gefühle zu managen. Dazu zählen beispielsweise Zornanfälle oder Eifersucht. Dies ist auch eine ausgezeichnete Schule, um Empathie und Einfühlungsvermögen zu lernen.
• Manchmal sind Beziehungen zu Geschwistern zwiespältig und komplex: Nicht immer verträgt sich der eigene Charakter, die eigenen Ideen, Werte und Leidenschaften mit jenen der Geschwister.



Die Bindung an Geschwister ist jedoch meist deutlich stärker als die Verschiedenheiten.

Die Familienbande und gemeinsame Erfahrungen der Vergangenheit halten zusammen: Bei jedem Familientreffen kommen Erinnerungen an die gemeinsamen Kindheitserlebnisse auf und die Zuneigung und Liebe, die in dieser Zeit entstand, schweißt Geschwister auch im Erwachsenenalter zusammen.

Die Beziehung zu Geschwistern ist meist stark, sie vermittelt ein Gleichgewicht, das immer vorhanden ist. Wir alle haben unsere Eigenarten, Verrücktheiten und Verantwortungen. Manche Eigenschaften teilen wir mit unseren Geschwistern, wir lachen vielleicht sogar auf die gleiche Weise. Auch wenn wir einen unterschiedlichen Kurs einschlagen, vereint uns immer derselbe Weg: die Liebe.